Joseph Beuys: Der Mensch ist Träger seiner Fähigkeiten!

Jeder Mensch ist ein Künstler  Joseph Beuys

Inspiriert durch einen Vortrag von Joseph Beuys aus dem Jahre 1985, der mir kürzlich in die Hände fiel, habe ich einmal überlegt, wie der Mensch in unserem demokratisch, kapitalistischen System um seine, seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechende  Entwicklung gebracht wird. Zum Schluss komme ich dann auf die Zitate von Beuys, die mich inspirierten.

 

Meine Behauptung:

Ein Kind wird geboren und hat als einzelnes Wesen keine Zukunft, weil es wieder sterben wird. Es verfügt aber über einen starken Überlebenswillen und möchte sich entfalten. Gerade auf die Welt gekommen, bemüht es sich unentwegt die Welt zu erfahren und zu begreifen. Die ungezügelten Bemühungen des Kindes werden von den Eltern und der das Kind umgebenden Außenwelt beeinflusst und begrenzt.

Sobald es in die Schule kommt, werden seine Vorstellungen, wie es leben möchte und wie es sich entwickeln möchte, behindert. Das Kind wird in seiner ihm eigenen Kreativität gebremst und muss etwas lernen, was nicht unbedingt seinen Intensionen entspricht.

Das setzt sich auch im späteren Leben in der weiteren Ausbildung z.B. an der Universität und ganz besonders nach der Ausbildung in der fremdbestimmten Arbeitswelt fort, es sei denn, der Mensch ist reich oder wird freier Künstler.

Fazit:

Die Entwicklung eines Menschen wird von den Eltern, seiner Umgebung und dem vom Staat vorgegebenen Ausbildungssystem und seinen Lehrinhalten geprägt. Mit dieser Ausbildung muss sich der heutige Mensch am Arbeitsmarkt verkaufen, es sei denn, er kommt aus reichem Hause, konnte sich neigungsgerecht entwickeln und kann als Selbständiger oder als Künstler sein Leben gestalten. Das staatliche Motiv für die Ausbildung der Menschen besteht darin, einen systemkonformen,  also marktgerechten Bürger zu schaffen. Ist die Ausbildung neigungsgerecht, geschieht dieses mehr zufällig und der spätere Erfolg im Leben hängt von dem dazu passenden Angebot auf dem Arbeitsmarkt ab. Man kann dann von Glück reden.

Hier besteht also eine gesellschaftliche Spaltung. Menschen aus reichem Hause können sich eher selbstverwirklichen, als Menschen aus ärmeren Schichten, die in der Regel auf Arbeitsplätzen sitzen, oder Beschäftigungen nachgehen, die nicht ihren Neigungen entsprechen. Das entzieht der Gesellschaft ein riesiges Potenzial an Fähigkeiten, die sinngebend eingesetzt werden könnten, so jedoch der Menschheit verlorengehen. Eine wirklich freie Entfaltung ist für die Mehrheit der Menschen gar nicht möglich. Das liegt besonders daran, dass Machtsysteme, wie Kommunismus und Kapitalismus, kein Interesse an der Bewusstwerdung des Menschen haben, also Bürger wollen, die im Sinne dieser Machtsysteme funktionieren. Denke selbst! und das Bewusstwerden, in welcher Situation sich der Bürger befindet, würde das System empfindliche stören, wenn nicht gar gefährden.

Nach Joseph Beuys ist das Vorgesagte eine Katastrophe!

Joseph Beuys sagt: „Der Mensch ist Träger seiner Fähigkeiten! Er hat die Aufgabe im Kampf mit der Materie seine geistigen und künstlerischen Fähigkeiten zu entwickeln und nach Vervollkommnung zu streben, z.B. Mitgestalter einer Plastik, eines Kunstwerkes oder Architekt am sozialen Organismus zu sein. Alles andere ergibt keinen Sinn für seine Anwesenheit auf diesem Globus und damit auch im Kosmos.

Die Kreativität, die Gestaltung entspricht der allerhöchsten Menschenwürde. Der Mensch ist ein gestaltendes Wesen. Die Gestaltung durch den Menschen in einem Kunstwerk gibt die Formen seines Denkens wieder. Es ist das Zusammenwirken der Formen seiner Gefühle und seines Denkens.

Das Denken eines Menschen beschränkt sich darauf, welche Einsicht er in Zusammenhänge besitzt.“

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5 Antworten auf Joseph Beuys: Der Mensch ist Träger seiner Fähigkeiten!

  1. Niels sagt:

    Eben teilt mir ein Freund zu diesem Thema mit:
    „In der Badewanne kam mir noch der Gedanke an die neuesten Abrichtungsinstrumente für Kinder in den Sinn: Ganztagskindergarten und – Schule. Es wird an Kindern und Jugendlichen solange gezogen, bis sie entwurzelt sind und das Individuelle verdorrt ist.
    Stay Cool, ist da wahrscheinlich Überlebensstrategie und wir, die Verantwortlichen, beklagen das auch noch. Si

  2. Xenia Hanßen sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    mir kommen die besten Eingebungen nicht in der Badewanne sondern beim Bügeln und damit bin ich nun durch. Dies sind meine Gedanken zu Beuys bzw. zu Niels Auslegungen diesbezüglich:

    Dem ersten Teil des oben behaupteten stimme ich zu 100% zu. Jedes Kind in unserer Gesellschaft wird durch unser System reichlich in seiner Entwicklung gestört, wenn nicht gar blockiert. Ich behaupte allerdings, dass dies schon seit je her so war und kein besonderes Phänomen unseres Gesellschaftssystems ist. Jeder, der das glaubt, hat Animal Farm nicht gesehen oder nicht verstanden. Meiner Ansicht nach ist dieser Lebensabschnitt erforderlich um dem späteren Erwachen daraus eine Richtung verleihen zu können. Jeder Mensch braucht seine Schatten, sonst würde er nicht nach dem Licht streben. Das Leben kann nicht nur rundherum schön sein.
    Eine beschnittene Kindheit oder finanzielle Benachteiligung ist m.E. nicht die Ursache für mangelnde Entfaltung oder Scheitern im Erwachsenendasein.
    Sicherlich können Kinder, die „waldorfgeschult“ und/oder in sicheren finanziellen Verhältnissen aufwachsen, scheinbar ein kreativeres und von Zwängen unabhängigeres Leben führen. Ein Garant dafür ist eine solche Kindheit jedoch nicht. Hätten wir sonst eine Generation sich zu Tode feiernder Promikinder?
    Was mir hier fehlt ist eine Definition/Maßstab für Erfüllung, Zufriedenheit und Glücklichsein. Woran wollen wir das bemessen?
    War nicht Mutter Theresa eine vollkommen glückliche Frau, obwohl sie doch scheinbar ihr Leben dem Dienen und Helfen Bedürftiger gewidmet hat? Wie steht es bei ihr um Kreativität und Selbstentfaltung?
    Was ist mit Menschen die aus den Slums zum Millionären wurden und einen großen Teil ihres Vermögens für Hilfszwecke spenden?
    Der Lebensweg eines Menschen bestimmt sich m.E. nicht aus seiner Herkunftsfamilie und auch nicht aus seiner DNA, wie inzwischen wissenschaftlich bewiesen wurde. Gene unterliegen bis ins hohe Alter kompleten Veränderungen allein durch die Kraft unserer Gedanken, wenn wir das wollen!
    Folglich sollte sich jeder selbst fragen, was für ihn Entfaltung bzw. Glück bedeutet und seine Enegien in diese Richtung lenken. Und: wer entscheidet denn darüber wie lange ich in einem Zustand des Glücks darf?
    Es geht also m.E. im Leben hauptsächlich darum Erfahrungen zu sammeln, sonst müssten ja alle armen Menschen unglücklich sein bzw. ständig Sinnkrisen haben. Das glaube ich aber nicht. Ich behaupte, das Glück findet mich, wenn ich der Stimme meines Herzens folge, unabhängig vom Geld.
    Und ich behaupte: es geht im Leben auch nicht darum, möglichst lange zu „überleben“ indem man sich ständig selbst bezüchtigt – dies ist ungesund, das sollte man nicht tun- usw. .
    Man sollte im Sinne des Resonanzgesetzes jeden Tag aus der Fülle schöpfen und dankbar sein, was morgen ist, ist morgen.
    Ich behaupte: Jeder ist in jeder Sekunde genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit seiner Lernaufgabe, sonst wäre er dort nicht. Alles Wunschdenken, woanders sein oder anders Leben ist ein sich Anlegen mit der Realität und das kann nicht zu innerem Frieden führen.
    Mein Motto: Lieben was ist! Und ganz banal: Geld beruhigt, macht aber nicht glücklich.

    In diesem Sinne

    Xenia

    • Niels sagt:

      Umfassend und gut! Trotzdem, das staatliche Motiv für die Ausbildung der Menschen besteht darin, einen systemkonformen, marktgerechten Bürger zu schaffen: Sich dem zu entziehen ist ungeheuer schwer.
      Durch die staatliche „Dressur“ des Menschen zum wirtschaftskonformen Bürger, entgeht der Gesellschaft ein riesenhaftes kreatives Potential.

      • Xenia sagt:

        Ganztagsschulen können bestimmt Schaden im Kind anrichten, ich sehe aber eher den Nutzen für die über den Tag unbetreuten Kinder aus sozial schwachen Familien. Für diese ist eine umfassende schulische Betreuung mit Sicherheit besser als ein „amöbenhaftes vor den Bildschirmen kleben“.
        Und diese Einrichtungen haben gute Konzepte, durch die Kinder soziales Miteinander und Verantwortung übernehmen lernen können, beispielsweise durch Kochgruppen oder gegenseitiges Helfen bei Hausaufgaben.
        Ein genaueres Hingucken und abwägen lohnt sich da schon.

        Das G8 ist allerdings nichts anderes als ein Abrichten und zum Funktionieren erziehendes Konstrukt, da stimme ich dir zu.

  3. Liebe Leute,
    mit dem Dialog auf hohem Niveau kann ich nicht mithalten, finde aber alles sehr interessant.

    Irgendwann habe ich mal gelesen, der Lissabon-Vertrag führt uns zur neuen Versklavung. Dazu sind natürlich viele Schritte notwendig und vielleicht passen Ihre Überlegungen sowie das Freihandelsabkommen da auch hinein.
    Ich bin jedenfalls froh, dass ich früher nicht ganztägig den Kindergarten und die Schule besuchen musste, sondern auch mal „loslassen“ konnte. Dazu war notwendig, dass ich mal abschalten konnte und nicht in einer Gemeinschaft funktionieren musste.
    Natürlich wäre ich in den Einrichtungen besser gefördert worden. Aber ist das das wichtigste?

    Ist eine Geborgenheit, die vom Elternhaus ausgeht nicht viel wichtiger?
    Dem widersprechen natürlich die Wirtschaftsleute und inzwischen auch die Politiker, die in der Mutter oder dem Vater nur noch eine Arbeitskraft sehen.

    Bei Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen muss ich immer an eine Aussage von Rudolf Steiner denken. Er wurde einmal von einem Herrn Pfeiffer gefragt, woran es liegen würde, dass die Menschheit sich so wenig weiter entwickeln würde. Seine Antwort war, dass die Nahrung den Menschen nicht mehr so viel Kraft gibt.

    Ich frage mich oftmals, wie gesund ist das Essen, dass es im Ganztagskindergarten und in der Ganztagsschule gibt.

    In Waldorfkindergärten gibt es eine Schulung für Eltern. Dort sehe ich einen wichtigen Ansatz für die Zukunft. Junge Eltern brauche viele Hilfestellungen.

    Das Potential, das der Gesellschaft verloren geht, wird, meine ich, oft durch die vielen Medien schon in Anspruch genommen bzw. abgezogen.

    Bildung ist ungeheuer wichtig. Es ist erschreckend, dass in manchen Ländern etliche Kinder keine Schule besuchen können.
    Eine gute Bildung ist die beste Investition für die Zukunft.
    Menschen, die keine Schule besuchen können, sind viel leichter manipulierbar.

    Seit vielen Jahren steht auf dem Volksdorfer Flohmarkt ein Herr, der für Schulen in Afghanistan verkauft. Das finde ich sehr vorbildlich.

    Eine große Bedeutung sehe ich auch in einem menschengemäßen künstlerischen Unterricht.

    Nicht nur der Intellekt ist wichtig, sondern auch die Herzenskräfte, die oft vergessen werden. Und die Herzenskräfte führen uns zu Christus.

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