Das Höhlengleichnis von Platon

Das Höhlengleichnis von Platon

platon

Platon

Einleitung       

Das Höhlengleichnis ist das berühmteste Gleichnis Platons. Es steht am Beginn des siebten Buches der „Politeia“, welches Anfang des vierten Jahrhunderts v.Chr. entstanden ist. Im Höhlengleichnis lässt Platon Sokrates seinem Lehrer einen Dialog mit Glaukon, dem älteren Bruder Platons, über Menschen führen, die in einer unterirdischen Höhle eingesperrt sind.

 Beschreibung

An Händen und Füssen gefesselte Menschen sitzen seit ihrer Geburt in einer Höhle, dessen Eingang nach oben sich neben einer halbhohen Wand befindet. Die Menschen sitzen mit dem Rücken zu dieser Wand und schauen auf die Wand vor ihnen. Sie sehen dort Schattenfiguren, die sich bewegen, sonst nichts. Das ist ihre Wirklichkeit, sie kennen nichts anderes und keiner von Ihnen konnte sich jemals wegen seiner Fesseln umgeschauen.

Eines Tages kommt jemand in die Höhle und zwingt einen dieser Menschen dazu, die Höhle zu verlassen. Das Licht, was ihm im Höhleneingang und weiterhin auf dem beschwerlichen Weg nach oben entgegenschlägt, blendet ihn und er braucht eine ganze Weile, um sich daran zu gewöhnen. Oben im Licht angekommen, sieht er, dass hinter der halbhohen Mauer zur Höhle ein großes Feuer brennt. Zwischen dem Feuer und der Mauer werden Figuren und Gegenstände von Menschen hin- und hergetragen, deren Schatten in die Höhle fallen.

Als er diese Szenerie sieht, wird ihm klar, dass hinter seiner Höhlenwirklichkeit doch eine ganz andere Wirklichkeit existiert. Nachdem er sich mit dieser Wirklichkeit vertraut gemacht hat und diese für sich angenommen hat, entschließt er sich, seine Höhlenbrüder und Schwestern darüber aufzuklären, dass sie nur die Schatten der Wirklichkeit sehen.

Er steigt also wieder in das Dunkel der Höhle hinab und beginnt den Höhlenbewohnern zu erklären, dass sie in einer Scheinwelt leben.

Was glaubt ihr wohl, geschieht jetzt mit dem Eingeweihten?

Sie wollen ihm nicht glauben, lachen ihn aus, werden aggressiv gegen ihn und werden ihn vielleicht am Ende töten.

Das Höhlengleichnis hat mich von jeher fasziniert und oh Wunder, ein Leben lang begleitet, wie wohl jeden von uns. Das ist unausweichlich, denn der Mensch, wenn er nicht an sich gearbeitet hat und zu höheren Einsichten gekommen ist, steckt immer noch in diesem Dilemma.

Deswegen reizt es mich von Euch zu den verschiedenen Aspekten dieses Gleichnisses und  meiner Behauptung, dass sich bis heute im Grunde nichts geändert hat, etwas zu erfahren.

Welche Aspekte hat das Gleichnis?

Es gibt die Höhlenbewohner mit ihrer Unbeweglichkeit, den Eindringling, der jemanden mit Gewalt ans Licht bringt, den Höhlenbewohner, der ans Licht gezwungen wird und als Aufklärer zurückkommt und die Reaktion der Höhlenbewohner, die mit dem Aufklärer konfrontiert werden.

Also sagt was!

 

Wer den Urtext lesen möchte, klicke auf diesen Link: http://sdrv.ms/1dRi8PD

Und hier noch eine Studentenarbeit der Uni Hamburg: http://sdrv.ms/LubuZA

 

12 Antworten auf Das Höhlengleichnis von Platon

  1. Uwe Wilhelmi sagt:

    Lieber Niels,
    dieses Phänomen, daß hinter der äußeren Erscheinung die Wirklichkeit erst entdeckt werden muß, läßt sich an vielen Beispielen sehen. Ich möchte es an meinem Lieblingsbeispiel, der Evolutionstheorie, zeigen. Dabei sind die Kreationisten und alle ihnen folgenden bibel-bzw.korantreuen Gläubigen die Höhlenbewohner, Charles Darwin der Eindringling, Richard Dawkins der Aufklärer (und in gewissem Maße ich selbst). Auch Darwin hat die Schönheit der Natur bewundert;aber er hat seinen forschenden Blick auch auf das Innenleben der Kreaturen gerichtet. Seine Schlußfolgerung,war, daß die Evolution keines Kreators bedarf, sondern allein durch Mutationen , wie man heute sagen würde, und natürlicher Selektion zustande kommt. Denn wie könnte sonst ein“ intelligenter Designer“,wie die Kreationisten Gott auch bezeichnen, so viel Murks allein bei der Konstruktion des Menschen zu machen,
    so daß viele Menschen Rückenleiden, Sinusitis haben oder die Schwangern unter Schmerzen gebären müssen, um nur einige zu nennen.
    Heutzutage lehnen immer noch 45 % der US- Amerikaner und immerhin noch 35 % der Briten die Thesen Darwins ab und möchten ihn am liebsten verbrennen.
    Alle diese von mir genannten Fehler sind natürlich aus der geschichtlichen Entstehung der Arten zu erklären und mindern nicht die Schönheit der Natur.
    Gruß Uwe

    • Uwe Wilhelmi sagt:

      Bei dem von mir gebrauchten Begriff“ Wirklichkeit“ muß ich für mein Beispiel allerdings ergänzen, daß Plato ganz im Sinne des später sogenannten Essentialismus darunter den Idealtypus verstand, während Darwin einen sich in einem Kontinuum ständig verändernden Genotypus darunter verstand.

    • Niels Hanßen sagt:

      Vorweg: Es geht jetzt überhaupt nicht um Besserwisserei!
      Immer wenn jemand die Existenz, sagen wir mal, eines höheren Wesens bestreitet, fühle ich mich herausgefordert noch etwas dazu zu sagen! Das was folgt ist eine Stellungnahme, die meine tiefe Überzeugung widerspiegelt und die zum Teil aus „AMORC – Die Rosenkreuzer – Das Manifest“ von mir entnommen wurde.
      Dieses Manifest kann jeder bei mir oder auch direkt bei AMORC unter: http://www.rosenkreuzer.de bestellen.
      Der Mensch ist nicht auf einen materiellen Körper beschränkt, der von einer Reihe physikalisch-chemischer Prozesse am Leben erhalten wird, er besitzt auch eine Seele.
      Und jeder der die Existenz einer Seele nicht zugeben kann, möge sich folgende Fragen folgenden Fragen beantworten:
      . Wem oder was schreiben Sie das zu, was man gemeinhin die „Stimme des Gewissens“ nennt?
      • Wie erklären Sie die Fähigkeit des Menschen, bestimmte Tugenden, wie etwa Wohlwollen, Güte, Mitgefühl und Liebe, zu zeigen?
      • Denken Sie wirklich, dass die schönsten Werke der Kunst, sei es der Malerei, der Bildhauerei, der Musik oder einer anderen, ihre Quelle einzig und allein in der mentalen Fähigkeit der Köpfe haben, die sie schufen?
      • Wie erklären Sie sich, dass Millionen von Menschen weltweit, die den klinischen Tod erfahren haben, bei der Rückkehr zum Leben die Erinnerung mitgebracht haben, das „gesehen“ und „gehört“ zu haben, was man gewöhnlich „das Jenseits“ nennt?
      • Glauben Sie wirklich, dass wenn die Existenz der Seele ein Hirngespinst wäre, die größten Denker und Philosophen in der Geschichte der Menschheit sie als evidente Tatsache betrachtet hätten?

      Mit Sicherheit hat jeder Mensch eine Seele. Die Seele, die aus jedem von uns ein lebendes und bewusstes Wesen macht, das fähig ist zu denken und Emotionen zu fühlen. In ihr befindet sich das, was das Beste der menschlichen Natur ist. Eben deshalb leben wir auf der Erde, um uns der Tugenden bewusst zu werden und diese durch unsere Urteilskraft und unser Verhalten auszudrücken. Leider wenden viel zu wenige Menschen, selbst unter den Gläubigen, diese Tugenden an, weshalb Bosheit, Intoleranz, Egoismus, Eifersucht, Hochmut und Hass in einem solchen Maß in der Welt gegenwärtig sind, mit allem, was daraus resultiert, nämlich Ungerechtigkeit, Konflikte, Ungleichheit und Leiden. In dieser Hinsicht stimmt es, dass das Böse nur die Abwesenheit des Guten ist und seine Quelle einzig und allein im menschlichen Verhalten hat. Es ist weder das Werk Gottes noch des Teufels, welcher niemals existiert hat, ebenso wenig wie die Dämonen, die angeblich zu seinen Diensten stehen.
      Was kann man nun von Gott sagen? Seit Jahrhunderten haben die Gläubigen in Gott ein anthropomorphes Wesen gesehen, das irgendwo im Himmel sitzt und das Schicksal aller Menschen bestimmt. In dem Bestreben, ihm zu gefallen, um seinen Segen zu erlangen, folgten sie und folgen immer noch den Geboten, die ihnen von den Religionen gepredigt wurden, welche sich diesbezüglich auf ihre Heiligen Bücher berufen. Aber offensichtlich reicht es nicht, an Gott zu glauben und in Übereinstimmung mit einem von Ihm inspirierten Glaubensbekenntnis zu leben, um glücklich zu sein. Andernfalls wären es die Milliarden von Gläubigen auf der ganzen Welt, mit Ausnahme der Atheisten. Das ist jedoch nicht der Fall. Dies bedeutet, dass das Glück, nach dem jeder Mensch strebt, sich jenseits der Religiosität befindet. Tatsächlich befindet es sich in der Spiritualität.

      Was ist Spiritualität?
      Sie transzendiert die Religiosität. Mit anderen Worten beschränkt sie sich nicht darauf, an Gott zu glauben und einem religiösen Credo zu folgen, wie ehrenhaft dies auch sein mag. Sie besteht vielmehr darin, den tieferen Sinn des Daseins zu suchen und nach und nach das zu erwecken, was das Beste in uns selbst ist. Allerdings besteht in der heutigen Zeit ein schwerer Mangel an dieser Sinnsuche und Vervollkommnung, woraus der chaotische Zustand der Welt und das Tief resultieren, worin sie sich seit einigen Jahrzehnten befindet.

    • Lieber Uwe! Lese gerade beim Aufräumen noch einmal die Texte. Du schriebst: Seine Schlussfolgerung, war, dass die Evolution keines Kreators bedarf, sondern allein durch Mutationen , wie man heute sagen würde, und natürlicher Selektion zustande kommt.

      Die Mutation geschieht nicht aus sich selbst heraus, sondern durch ein ewig herrschendes System, oder eine ewig herrschende Vitalkraft!

  2. Fritz Karger sagt:

    Lieber Niels:

    Ich sehe in dem Gleichnis die Frage „Warum ist der Mensch so, wie er ist?“ Meine Antwort: Zwei Gründe, unsere Erbanlagen und das soziale Umfeld [dazu gehört auch autodidaktisches Lernen] haben den Menschen geformt. Diese beiden Einflüsse sind gravierend bis etwa zum siebenundzwanzigsten Lebensjahr. Einflüsse nach diesem Lebensjahr sind nur in den ganz seltensten Fällen dazu in der Lage, das Verhalten eines Menschen zu ändern, selbst wenn der Mensch erkennt, daß ein verändertes Verhalten angebracht ist.
    Wenn ein Mensch – in diesem Falle einer von vielen – es nun geschafft hat, aus welchen Gründen auch immer, aus seiner „Höhle“ herauszukommen und dadurch sein Verständnis vom Leben verändern konnte, so wird er immer als einsamer Vereinzelter dastehen, weil die Masse der Menschen (die Herdentiere) mit ihrer Denkweise und Lebensanschauung eben noch in der „Höhle“ sind.
    Der stärkste Drang eines jeden Menschen ist der nach Respekt und Akzeptanz. Das hat man in der Masse. Ist nun jemand anderer Meinung als die Masse, so sieht diese darin einen Verstoß gegen ihre Anschauung, sozusagen Respektlosigkeit. Und dagegen wehrt sie sich.
    Warum der Mensch so ist wie er ist, beschreibt Wilhelm Reich sehr ausführlich in seinem Buch „Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus -„.
    Ich kann dieses Werk wärmstens empfehlen!!! A must read.

    Liebe Grüße
    Fritz

    • Ich werde den Reich natürlich lesen, kann jetzt aber schon sagen, der Mensch ist nicht, wie er ist, sondern, wie er es für sich selbst akzeptiert. Natürlich ist man ziemlich alleine, wenn man aus der Herde ausschert. Wo ist das Problem? Der Ausgescherte, der die Welt jetzt anders betrachten kann, findet seine Befriedigung in seinen Erkenntnissen. Es ist doch ein wunderbares Gefühl, wenn man merkt, man begreift etwas, was einem vorher verschlossen war! Du willst dann auch nicht mehr zurück in die Höhle und die Herde, dass könntest Du nicht aushalten, selbst, wenn die Dich wollen. Von denen willst du doch gar keine Anerkennung mehr! Gegenseitiger Respekt reicht da völlig. Man soll sich weniger damit aufhalten, warum der Mensch anscheinend so ist, wie er ist, besser ist es zu versuchen das Licht zu erreichen, was zwar wenige, aber doch immer wieder einige schaffen. Wenn das die Triebfeder der Gesellschaft wäre, statt sich in Materialismus zu tummeln, wobei ich kein Gegner von Materie bin, hätten wir einen anderen Menschen. Das ist zu erreichen, wenn der Mensch für sich seine spirituelle Seite akzeptiert und diese weiterentwickelt. Da helfen schlaue Bücher nicht, da helfen mehr Weisheiten. Wozu ist der Mensch ein Individuum und hat so unterschiedliche Fähigkeiten, bei jedem etwas anders ausgeprägt, als bei dem anderen? Damit die sich zusammenfinden und immer wieder eine Höherentwicklung stattfinden kann. Das wissen doch auch die Darwinisten! Survival of the fittest. Dass ist die Überlebenschance der Menschheit und nicht in Kriegstechniken und immer größeren Bauwerken oder sonstigem Gigantismus! Du siehst doch gerade, wie die Welt zerstört wird, weil die Ausrichtung falsch ist. Spirituelle Menschen, hätten sie die Macht, würden so nicht handeln.

  3. Adina sagt:

    wow danke für den Eintrag und auch die Kommentare. Ich muss gestehen, das Höhlengleichnis bislang nie gelesen zu haben. Aber ich musste es nun natürlich gleich nachlesen 🙂 Bin schwer beeindruckt! Auch wenn es mir keine neue Erkenntnis bringt.
    Gerade heute wurde ich wieder damit konfrontiert als ein Kolumnist der Welt meine Pressemitteilung der Verbraucherzentrale völlig zerriss und nicht ernst nahm. Es ging darum, davor zu warnen, dass Karnevalsmasken und Kostüme oft billige Saisonware aus Fernost sind und viele krebserregende Schadstoffe enthält, die man direkt einatme. Jedenfalls wollte er mit seiner Kolumne ausdrücken, dass er nichts von „Miesmachern“ hören und einfach nur seinen Spaß haben will. Wenigstens an Karneval…
    Tja, sowas deprimiert mich immer wieder. Dass Leute ihre Augen vor der Wahrheit verschließen möchten. Aber viel schlimmer: Ich beneide sie auch darum. Es macht das Leben einfacher. Sie mögen vor einer Wand (aktuell wäre das wohl der große Flachbildfernseher mit dem Dschungelcamp-Programm) sitzen. Aber es stört sie nicht. Es stört nur denjenigen, der aufsteht und ständig gegen die Wand (damit meine ich die Masse, die einen nicht verstehen will) laufen muss.
    Auch die Tatsache, dass beim Bürgerbegehren so wenig politisch interessierte Bürger dabei sind, die die Wahrheit ans Licht bringen und Dinge verändern wollen, führt mich immer wieder dazu, für einen Moment auch in die einfache Welt flüchten zu wollen. Du steckst so viel Energie da rein und fühlst dich verantwortlich dafür, die Anderen aufzuklären. Und dann musst du einsehen, dass sie das garnicht wollen.

    Nun steh ich selbst vor der Frage: Bei „Szene Hamburg – Essen & Trinken“ einfach nur Kulinarisches genießen und mit Anderen die Freude teilen oder in politischen Organisationen weiterhin „sinnvolle“ aber deprimierende Arbeit zu leisten. Mich macht letzten Endes auf Dauer beides nicht glücklich. Politik ist für mich das einzig sinnvolle aber zugleich komm ich mit der Wahrheit selber nicht klar. Ich kann verstehen, dass man lieber die AbBILD lesen will als das Amnesty Journal, das von dem Elend der Welt berichtet.

    Es muss auch nicht nur Politik sein. Als ich mich dazu verpflichtet fühlte, einer Freundin zu sagen, dass ihr Freund sie betrügt… tja was kam dann wohl? Dankbarkeit? Nein, sie hat mich von da an gemieden und gehasst. Und sie blieb mit ihrem Freund zusammen, weil sie die Wahrheit nicht wahrhaben wollte.

    • Deine Erfahrungen sind alle bitter, aber das ist ja schon der beschwerliche Aufstieg, den Du für Dich beschreibst. Wenn Du mit den anderen in der Höhle kuschelst und das o.k. findest, dann hat das zwei Gründe, entweder Du hast Dich noch nicht umgeschaut und eine Ahnung bekommen, dass hinter Dir Licht ist oder wenn Du das nicht mehr o.k. findest, dann hast Du schon etwas von dem Licht erfasst und willst nicht mehr im Dunklen hocken. Es ist dann ausgesprochen schwierig, zurückzugehen, bis zu einem bestimmten Stadium werden Dich die anderen Dich wieder in die Höhle aufnehmen, aber ab einer gewissen Grenze nicht mehr, weil Du nicht mehr verstanden wirst.
      Du kannst nur selber denken! Was gut für Dich ist, werden Dir Deine inneren Meister (Eingebungen) schon mitteilen. Ich selber habe sehr lange gebraucht darauf zu hören und zu begreifen, dass niemand Dir sagen kann, was gut für Dich ist, außer Dein Unterbewusstsein. Man kann sich gerne auch an anderen orientieren, aber Du musst vorsichtig sein! Wer ist dass, der Dir eine Orientierung geben will. Kommt er aus dem Licht und will in die Dunkelheit oder kommt er aus der Dunkelheit und will ans Licht. Ich meine damit, welchen Entwicklungsstand hat er in welche Richtung! Ein Mensch hat tausend Motive, bewusste und unbewusste, andere beeinflussen zu wollen. Besonders achtsam musst Du bei den Dogmatikern sein, das sind eigentlich die schlimmsten Höhlenbewohner, weil sie häufig unreflektiertes Wissen verbreiten oder, im noch positivem Falle, nach Anreicherung von Wissen ihre Entwicklung als beendet betrachten und ab jetzt jeden anderen Menschen damit belästigen. Das kann Dir in allen Gesellschaftsgruppen passieren, bei Hochschulprofessoren, Ärzten, Ingenieuren, Handwerkern, Theologen, Darwinisten, Atheisten und wie sie alle heißen. Wäre ich der Therapie eines „Mainstreamarztes“ gefolgt, dann hätte ich großen Schaden genommen, ich bin aber den Empfehlungen eines damals noch Außenseiters gefolgt und habe ein gesundes Leben angefangen, wo Körper Geist und Seele in ein Gleichgewicht gebracht werden. Das war eine Eingebung, obwohl alle Welt um mich herum zu den Pharmafreaks gelaufen ist.
      Warum hast Du Deine Freundin aufgeklärt, Du wusstest doch, dass sie sich die Ohren zuhalten würde! Den Überbringer der schlechten Nachricht hat man in der Antike schon den Kopf abgeschlagen. Mache niemals etwas, wobei Du auf Dankbarkeit hoffst, dann ist das das größtes Motiv Deines Handelns.

      • Was ich noch vergessen habe: Werde kein Weltverbesserer, das geht überhaupt nicht, weise weiterhin auf Missstände hin, genieße auch dass Leben mit all seiner Schönheit. Die Welt ist eine polare Welt in der beides nebeneinander existiert, das Gute und das Schlechte!

        • Adina sagt:

          Warum ich meine Freundin aufgeklärt habe? Weil ich es selbst nicht wahrhaben wollte, dass sie weiterhin zu den Höhlenbewohnern gehören will. Und weil ich die naive Ansicht habe, Andere so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte. Ich hätte von ihr gewollt, dass sie mir die Wahrheit verkündet. So hart sie auch für den ersten Moment sein möge.

          Wozu sollte ich noch auf Missstände hinweisen, wenn sowieso das Gute und Schlechte immer nebeneinander existieren werden? Halbe Sachen ergeben für mich keinen Sinn. Ganz oder garnicht. Wenn ich die Bipolarität zu akzeptieren habe, verzichte ich lieber drauf.

          Ja ich habe hin und wieder das Licht erblicken können. Und du magst Recht haben, dass ich mich selten danach umschaue. Ich sehe nicht die vielen Dinge, die ich auf meinem Weg nach oben erreicht habe. Und dass mir einige geholfen haben, mich hochzudrücken oder von oben die Hand zu reichen. Aber letzten Endes wird es immer jemanden geben, der mich von oben an der Hand hochzieht, während mich ein Anderer an meinem Bein runterzieht. Sie zerreißen mich. Auch wenn ich versuchen würde meinen Weg alleine hoch zu erklimmen werden sie nach mir greifen.

          • Niels Hanßen sagt:

            Manchmal ist etwas Gutgemeintes nicht das richtige, dafür muss man auch ein Gespür (Lebenserfahrungen) entwickeln. Du musst Dich bei einer Handlung in einer polaren Welt für eine Seite entscheiden. Deswegen zeige auf Missstände, wenn das Dein Ding ist! Nichtstun ist nichts!
            Dieses Leben ist das Interessanteste, was Dir passieren kann!

  4. AnoschKa sagt:

    Hey Leute, hier tummeln sich ja viele spannende Gedanken, und alle abgeleitet aus dem Höhlengleichnis…Platon hätte sicher seine Freude gehabt. Wollte er doch, getreu seinem Lehrer Sokrates folgend, den Menschen Bildung nie von außen aufzwängen, sondern nur Hilfestellung geben, damit die Menschen alle Bildung aus sich selbst entwickeln und erfahren. Sokrates nannte dies „Hebammenkunst“, weil er seinen Schülern wie eine Hebamme zur Seite stand bei der Geburt ihres Wissen. (Heute würde man wahrscheinlich sagen, er war Lernbegleiter, Lehrbeauftragter oder noch besser: Education-Manager…?)

    Aber das Höhlengleichnis ist wirklich hochaktuell. Denn viele von uns Menschen verbringen ihr Leben gefesselt in einer virtuellen Höhle, starren aufs smartphone, kennen ihre Freunde nur noch aus social media-Foren oder schauen den ganzen Tag Talkshows im Fernsehen, lassen sich berieseln von Werbung oder der Befriedigung von – teilweise künstlich erzeugten – Konsumbedürfnissen. Dabei erkennen sie nicht, dass dies nicht die wirkliche Welt ist, sondern nur ein künstlich geschaffenes Abbild. Der „Weg aus der platonischen Höhle“ würde ja bedeuten, die virtuellen Fesseln abzustreifen und sich auf den langsamen, mühsamen Weg aus der persönlichen (irgendwie doch auch gemütlichen…) Höhle zu machen durch das Streben nach Bildung und der (unbequemen…) Erkenntnis der realen Welt – mit all ihren Schatten. Bildung (Paideia) ist nach Platon ein Abenteuer, eine Erfahrung, die den Menschen ganzheitlich erfasst, wenn er sich einmal auf den Weg gemacht hat aus der dunklen Höhle. Wer es geschafft hat, das Licht zu erblicken, ist zunächst geblendet und hat Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Auch außerhalb der Höhle wird er zunächst nur die Schatten klar erkennen können (vgl. Neumann, Uwe 2006. Platon. rororo Verlag). Aber auch dies ist ein Sinnbild: Wer durch Bildung zu Erkenntnis gelangt, hat zunächst Schwierigkeiten, mit diesen neuen Erkenntnissen umzugehen. Die Umwelt, alte Freunde usw. sind häufig auch nicht gerade begeistert, wenn sie statt mit trivialen Diskussionen über den neuesten Kinofilm und Chillen am Wochenende nun plötzlich über Platon diskutieren sollen. ;-)) Aber wer sich einmal auf den Weg gemacht und das beglückende Gefühl einer Erkenntnis durch Bildung gemacht hat, wird sich nicht mehr zufrieden geben wollen mit Bier, Chips und Talkshows (obwohl diese Kombination natürlich ab und zu auch sehr nett und entspannend ist…aber eben nicht ausschließlich). Platon fordert seine Schüler schließlich dazu auf, nach der Erkenntnis den Rückweg in die Höhle anzutreten, und diejenigen, die im Schatten verharren, an ihrem Wissen und ihrer Erfahrung teilhaben zu lassen. In sofern ist es toll, dass Du, lieber Niels, diesen Thread eröffnet hast und diese spannenden Diskussionen hier auf Deiner Homepage ermöglichst!

    LG Anoschka

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